


Details im Bauhaus
Jedes Detail im Bauhaus besitzt eine klare Intention. Beispielsweise sind die riesigen Glasfronten keineswegs nur für die Belichtung wichtig, sondern tragen eine tiefe Symbolik in sich: Die Charakteristik des Glases spiegelt das
Streben nach Demokratisierung und einer transparenten Gesellschaft wider, die sich aktiv gegen den Krieg und für den Menschen aussprach. Architektur wurde hier zum Werkzeug, um eine neue, bessere Gesellschaft zu bauen.
Unsere Führung begann in der schlichten aber dennoch beeindruckenden Eingangshalle, die weit mehr ist als nur ein funktionaler Durchgangsraum. Durch eine präzise Durchplanung der Elemente wird der Besucher hier unbewusst gelenkt. Beim Betreten fällt der Blick sofort auf ein riesiges Fenster, das den Raum mit Licht flutet und zudem die oben erwähnte Symbolik trägt. Zudem weist
der sorgsam gewählte Boden dem Eintretenden intuitiv den Weg, während die Lampen einen quasi direkt in die Aula leiten. Trotz dieser starken Wirkung sind die Elemente keineswegs aufdringlich; durch ihre minimalistischen Formen und Farben fallen sie erst bei genauerer Betrachtung ins Auge.
Die Aula spiegelt politischen und gestalterischen Motive perfekt wider. Durch den bewussten Verzicht auf Logen und Podeste existiert hier jeder auf Augenhöhe, und die Bühne bildet den eigentlichen Mittelpunkt anstelle des Publikums. Die Sitzreihen bestehen jeweils aus einem einzigen 20 Meter langen grauen Stoffband, was die Funktionalität und den Minimalismus
untermauert. Auch die Fenster der Aula sind ein Paradebeispiel für neue, praktische Konzepte. Durch innovative Mechanismen lassen sich mehrere Fenster sehr einfach mit nur einem Handgriff öffnen und schließen. Diese industriellen Vorrichtungen sind im gesamten Gebäude wiederzufinden, doch hier in der Aula durften wir sie sogar selbst ausprobieren.
Direkt hinter der Aula befindet sich die Mensa, die durch eine verschiebbare Türfront von der Bühne abgetrennt ist. Sie besitzt hohe Decken, große Fenster und einen Schwarz-Weiß-Kontrast wodurch der Raum sehr sauber und groß wirkt. Die Studentenheime bilden dazu einen farbenfrohen Gegenpol, da jedes Stockwerk in einer eigenen Farbe gestaltet ist.
Das Büro von Walter Gropius befindet sich auf der Brücke zwischen den zwei Haupttrakten des Bauhauses und ist mit beiden Seiten des Gebäudes durch je eine Tür verbunden. Das Büro ist de einzige Raum, der noch mit dem markant riechenden Triolin-Boden ausgelegt ist. Der Raum selbst ist so aufgebaut, dass der Schreibtisch im Mittelpunkt steht. Auch hier werden Licht, Farbe sowie eine offene, aber durchdachte Raumaufteilung genutzt, um den Besucher unbewusst zu lenken. Das Regal links neben dem Schreibtisch dient gleichzeitig als Vitrine, Sichtschutz und Raumtrenner – ein weiteres funktionales Element, das kunstvoll in den Raum integriert wurde.
Selbst auf dem Weg zu den verschiedenen Räumen des Bauhauses stößt man in den Fluren auf faszinierende Details. So sind auch die Treppen mehr als nur eine funktionale Verbindung von Stockwerken. An den Wänden hängen Heizungen auf Kopfhöhe wie Kunstwerke und greifen so das Konzept der Verbindung von Kunst und Funktion auf. Zudem fungieren die Treppen als Orte der sozialen Interaktion. Sogar Kunstwerke wie das Bild “Bauhaustreppe” von Oskar Schlemmer greifen diese auf. Auch das durchdachte Farbsystem hilft bei der Orientierung und zieht sich durch das gesamte Gebäude: Während die öffentlichen Bereiche in hellen, blassen Farben gestaltet sind, spielen private Zonen wie die Wohnbereiche oder die Mensa mit starken Kontrasten und kräftigeren Farben.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Bauhaus-Hauptgebäude die bauliche Manifestation eines Umbruchs ist. Jedes architektonische Detail, von den funktionalen Fenster-Mechanisme über die Farben bis hin zu den Treppen, bricht alte Muster und Regeln und stellt den Menschen sowie die Gemeinschaft in den Mittelpunkt. Gropius schuf hier einen Ort, an dem Kunst und
Technik zu einer untrennbaren Einheit verschmelzen können. Doch auch im privaten, abseits von den Werkstätten und dem Hauptgebäude, findet man das Konzept des Bauhauses ebenso wieder.